Kriegsnebenschauplatz Hessenschanze

Inmitten weiter, ebener Blütenteppiche des Kalktrockenrasens erhebt sich als kleiner bewaldeter Hügel die Hessenschanze. Selbst die Laufgräben zur Schanze sind noch zu erkennen. Nimmt man das gesamte Gelände genauer in Augenschein, so stellt man fest, dass unter der Blütenpracht vielfach große Betonbahnen und Bunkeranlagen liegen, die aus dem zweiten Weltkrieg stammen. Wegen ihrer Höhenlage war die Hessenschanze insbesondere in zwei Kriegen wichtiger strategischer Punkt, im 30-jährigen Krieg und im zweiten Weltkrieg.

Der 30-jährige Krieg begann 1618 in Prag und hatte seine Ursache ursprünglich in Glaubenskonflikten zwischen Katholiken und Protestanten. Nach und nach griff er dann aber auf ganz Europa über. Rheine und das Münsterland waren in den ersten Kriegsjahren nur wenig betroffen, doch insbesondere ab 1622 mehrten sich die Raubzüge der durch das Münsterland ziehenden Truppen. Große Gefahr drohte insbesondere von den Truppen des Halberstädters Christian von Braunschweig, der im Stift Paderborn sein Winterlager aufschlug und dort entsetzliche Plünderungen beging und Armut über die Bevölkerung brachte.

Als der münstersche Bischof den Kaiser um Beistand bat und dieser Truppen in das Münsterland entsendete, weigern sich Rheine und einige andere Städte, den Soldaten Unterkunft zu gewähren. Daraufhin wurde Rheine im Februar 1623 angegriffen und mit 145 Kanonenkugeln beschossen. Die Stadt wurde besetzt und hatte nun ungleich größere Repressalien auf sich zu nehmen: Sie erhielt eine Besatzung von 600 Mann. Im August 1623 rasteten in Rheine zudem General Tilly und seine Truppen, der aus Süddeutschland heranzog, um gegen Christian von Braunschweig vorzugehen.

Er hielt sich nur wenige Tage in der Stadt auf, aber brachte unendliches Leid unter die Bevölkerung, da die gesamte Umgebung geplündert wurde. Die Besatzung der kaiserlichen Armeen hingegen blieb, wegen deren Versorgung die Bürger Elend und Hunger erleiden mussten, so dass 1625 sogar ein neuer Friedhof am heutigen Heilig-Geist-Platz angelegt werden musste. Hinzu kam, dass sich die Pest stark ausbreitete.

Rheine wurden in diesen Jahren viele der erworbenen Stadtrechte abgesprochen, insbesondere auch, da sich viele Bürger zum Protestantismus hingezogen fühlten. Erst 1632 erhielt Rheine viele der verlorenen Rechte zurück. Im Jahr 1633 drangen dann die Hessen, die sich mit den Schweden verbündet hatten in Westfalen ein und nahmen einen großen Teil des Stiftes Münster ein. Rheine eroberten sie im September 1633, nachdem die Stadt mit Kanonen und Feuerkugeln beschossen worden war.

Diese Eroberung hat sich auch in der mündlichen Überlieferung erhalten, wie etwa in der Sage des Boten Veit, dessen Hund ein Hilfsgesuch zum Bischof nach Münster überbrachte und damit die Stadt gerettet haben soll. Im Jahre 1635 konnten nämlich die kaiserlichen Truppen Rheine wieder zurückerobern und die Stadt bis zum Ende des Krieges halten.

Die auf dem Waldhügel gelegene Hessenschanze, auch Bühnert genannt, gelangte insbesondere gegen Ende des Krieges im Jahre 1647 zu traurigem Ruhm, als sich die Hessen zusammen mit den Schweden dort verschanzten. Im September 1647 wurde die Stadt mit Feuerkugeln vom Stadtberg beschossen und zum großen Teil. Im Oktober wurde dann die Stadt von der Hessenschanze ein zweites Mal beschossen und großer Schaden angerichtet. Insgesamt wurden 339 Häuser zerstört und damit 81% der Gebäude. Noch heute erinnern am Markt Inschriften und eingemauerte Kanonenkugeln an die schrecklichen Kriegsereignisse und die Zerstörung der Stadt. Von den Bombardierungen, die von der Hessenschanze ausgingen, war vor allen Dingen auch die Bauernschaft Dutum betroffen, da sich die kaiserlichen Truppen, die ihr Lager auf dem Thieberg hatten, mit den Hessen und Schweden wochenlange Kanonenduelle lieferten. Wegen der geringen Reichweite der Kanonen schlugen aber wohl die meisten Geschosse in die Bauernschaft ein. Es entstand daraufhin die Sage vom „Feuertod in Dutum“.

Einer anderen Sage zufolge wurde der Hof Leusmann arg von der Willkür der Feinde heimgesucht.

„Ein Kommandant der feindlichen Truppe verkehrte dort täglich und warf seine Augen auf die junge und schöne Tochter des Hauses, die sich seiner Belästigung schließlich durch Abwesenheit entzog. Ihr Versteck war der Raum zwischen einem doppelten Giebel des Hauses, der eigens zu diesem Zwecke angelegt war. Solche Schulhöeke (schuelen=verstecken) fand man in Bauernhäusern wohl mehr. Als der Kommandant sich zum wiederholten Mal nach dem Verbleib des Mädchens erkundigte und eine ausweichende Antwort erhielt, geriet er in Wut und verlangte unter Androhung schwerster Strafe die Herbeischaffung innerhalb einer bestimmten Frist. Als diese nicht innegehalten wurde, ließ der Wüstling Haus und Hof in Brand stecken.

Das arme Mädchen konnte durch Rauch und Feuer den Ausgang nicht mehr finden und wurde so ein Opfer ihrer Unschuld“.

Wie es mit der Hessenschanze im zweiten Weltkrieg weiterging und welche anderen Sagen es über den Waldhügel noch gibt, erfahren Sie hier:

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