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Trockenrasen

Michi am 21.02.2018
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Trockenrasen - Hier blühen Orchideen und Enziane!

In unserer heutigen Kulturlandschaft sind Halb-Trockenrasen, wie wir sie am Waldhügel finden, einzigartige Lebensstätten für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Auch deshalb finden diese Gras- und Blumenflure in unserer heimischen Landschaft sowohl von Liebhabern wie Fachleuten besonders große Beachtung. Doch wer meint, diese Wildfluren seien natürlich. Weit gefehlt!

Denn ganz Mitteleuropa war ursprünglich mit Wald bedeckt. Lediglich die Gebirgszonen oberhalb der alpinen Baumgrenzen, die Ränder von Seen und Flussläufen, die Sand- und Salzböden längs der Küste und viele Moore und Felsschroffen waren waldfrei. Überall sonst entstanden durch Brand, Rodung, Schlag und Beweidung waldfreie Flächen. Von unangetasteter Natur kann keine Rede sein, wenn man von Halb-Trockenrasen, Wiesen und Weiden spricht. Sie bildeten sich unter dem Einfluss des Menschen und sind in unseren Breiten nicht Teil der Naturlandschaft. Auch am Waldhügel griff der Mensch schon früh in das Naturgeschehen ein, fällte Bäume und benötigte das Holz für den Bau von Scheunen und Häusern. Während an der Auflichtung der Wälder neben Ziegen und Schafen auch Rinder, Pferde und Schweine beteiligt waren, wurden die sich allmählich ausbildenden Halbtrockenrasen überwiegend mit Schafen und Ziegen beweidet, da eine sinnvolle Nutzung dieser ertragsarmen Flächen nur mit diesen genügsamen Haustieren möglich war und ist. Auch die Landschaft in und um Rheine wurde vor der Überführung in Privatbesitz vornehmlich als Hude und Weide für alle Arten von Vieh kollektiv genutzt. In den Marken zwischen Elte und Bevergern wurde der Wald vollends vernichtet, so dass sich großflächig die Heide ausbreitete. Vielerorts kam es durch den Schaftritt zu Bodenerosion, so dass es zu großen Sandwehen kam, die die Eschflur bedrohten. Selbst am Anfang des 20. Jahrhunderts waren diese Heidegebiete so groß, dass der bekannte Heimatforscher Prof. Brockhausen aus Rheine berichtete, dass sich im Herbst die Landschaft bis zum Horizont violett färbte, wenn man vom Waldhügel herab nach Elte und Bevergern schaute. Auch wenn wir es am Waldhügel überwiegend mit einer Waldmark, der so genannten Waldallmende zu tun hatten, bei der die gemeinsame Holzwirtschaft im Vordergrund des Interesses stand, so ist anzunehmen, dass auch hier früh Waldweide betrieben wurde. Hinzu kam, dass Holz zum Kalkbrennen gebraucht wurde. Damit lange Transportwege vermieden wurden, nutzte man das Holz aus der nahen Umgebung. Holz war ein gefragter Rohstoff! Nach und nach lichtete sich der Wald, so dass es zu immer größeren Schlägen kam. Erst nach der Auflösung der Waldmark am Ende des 19. Jahrhunderts setzte die Kultivierung des Ödlandes am Waldhügel im großen Stil ein. Durch Rodung des Buschwerkes und Kahlschlag weiter Flächen verwandelten die Bauern die ehemalige grüne Allmende, abgesehen von einem geringen Bestand an Mischwald, in einen nackten Höhenzug. Dieser wird seit der Entdeckung des Kunstdüngers immer mehr ackerbaulich genutzt, so dass auch damit die offenen, waldlosen Wildwiesen überall verschwanden. Nur Reste sind geblieben! Während auf den Höhen lediglich noch an den Rändern der Kalkgruben sowie auf der Hessenschanze kleine und größere Magerrasen anzutreffen sind, so liegen diese äußerst artenreichen Kalk-Magerrasen heute in den aufgelassenen Steinbrüchen rund um den Waldhügelsee, die von genügsamen Schafen und Ziegen beweidet werden. Diese Grasfluren sind extreme Trockenenstandorte und unterscheiden sich von den gedüngten Wiesen und Weiden durch eine gewisse Nährstoffarmut. Für den Botaniker gilt eine Regel: Je magerer die Standorte, je größer die Artenvielfalt und das vermehrte Vorkommen von Raritäten. Für den Laien sind diese Trockenrasen vom Spätsommer bis zum Herbst und sogar bis weit in den Frühling hinein bräunlich-gelb gefärbt und sehen vertrocknet aus. Nimmt man die vielen Arten der Trockenrasen einmal etwas genauer unter die Lupe, so erkennt man, dass sich viele Spezies an diesen besonderen Lebensraum angepasst haben. Oft sind es ausgesprochene Hunger- und Sonnenkünstler.

Allein durch das Fraßverhalten der Weidetiere- mag ich oder mag ich nicht- findet eine Selektion in der Kräuterwelt statt, so dass es zu einer eigenartigen Landschaftsprägung kommt. Kaum oder gar nicht verbissen werden z. B. stachelige und dornige Pflanzen wie Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule), Golddistel (Carlina vulgaris) und giftige wie Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) und Enzian. Auch für das Schafmaul schwer erreichbare Rosettenpflanzen und stachelige Sträucher wie Schlehe (Prunus spinosa) werden von den Schafen verschmäht. Insgesamt kann man sagen, alles was stachelig ist, kann sich behaupten und wird Konkurrenz stärker. Zum Beispiel werden die Rosen weitgehend vom Fraß verschont, so dass sich prächtige Rosenbüsche bilden können. Aber auch Arten, die Bitterstoffe enthalten wie der Fransenenzian (Gentiana ciliata) oder die Kreuzblume (Polygala amara), haben gut Lachen, da sie vom Vieh gemieden werden. Aus Sicht des Schäfers wurden diese wehrhaften oder giftigen Arten, da sie die Qualität der Weide nachteilig beeinflussten, als Weideunkräuter regelmäßig bekämpft.

Bei der Beweidung zeigt sich, dass Ziegen die Gehölze wesentlich stärker verbeißen als Schafe. Im Fraßverhalten der Ziegen beobachtet man, dass diese Tiere typische Blattfresser sind und zudem die Gehölze stark schälen. Allein aus diesem Grund sind unsere Schafe nicht allein. Sie werden von Ziegen begleitet, denn für sie stellen Sträucher und Bäume als „Weideunkräuter“ kein Problem dar.

Erstaunlich ist auch, dass Schafe und Ziegen nicht nur durch Verbiss die Kalktriften formten und formen, sondern sie übernehmen auch die Verbreitung bestimmter Pflanzenarten. Untersuchungen ergaben, dass zahlreiche Samen im Fell der Tiere haften und somit verschleppt werden.

 

Heute genießen die Kalkhalbtrockenrasen den gesetzlichen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes bzw. der Länder-Naturschutzgesetze (in NRW § 62 LG). Darüber hinaus sind zahlreiche Flächen als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Sie sind somit weitgehend vor weiteren direkten Eingriffen geschützt. In ihrem Bestand und ihrer Wertigkeit aber nicht gesichert. Nach wie vor gehen kontinuierlich Flächen verloren, da die für ihren Erhalt erforderliche Nutzung oder Pflege nicht gewährleistet ist.

Zuletzt geändert am: 21.02.2018 um 12:18

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