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Welchen Sinn macht es, historische Kulturlandschaften zu pflegen und zu bewahren?

Michi am 21.02.2018
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Welchen Sinn macht es, historische Kulturlandschaften zu pflegen und zu bewahren?

Auch den Bauern am Waldhügel ging es in ihrer langen Geschichte primär um die Sicherung ihrer Existenz. Es war für sie ein wesentlicher Antrieb, sich von der Natur möglichst unabhängig zu machen. Die Auseinandersetzung mit dem Gebiet rund um den Waldhügel war gekennzeichnet durch Arbeit. Ihr Schaffen fand Ausdruck in der Veränderbarkeit von Natur. Somit schufen unsere Vorfahren eine Kulturlandschaft, die aus der Naturlandschaft entstand. Wollen wir diese Kulturlandschaft erhalten, ist es zwingend notwendig, sie dem Einfluss des Menschen auszusetzen. Um einen bestimmten Kulturzustand zu erhalten, müssen die Waldhügel Bauern bzw. Behörden, Verbände auch weiterhin in die Entwicklungsdynamik eingreifen. So wird aus dieser Landschaft eine „historische Kulturlandschaft“. Ihr Zustand entspricht unter Umständen den weiterentwickelten menschlichen Bedürfnissen nicht mehr und würde zu einem „historisch, geistig-kulturellen Wert“. Wenn wir der Frage nachgehen, welchen Sinn es macht, diese Kulturlandschaften zu bewahren, so kann man sagen, dass historische Kulturlandschaften uns eine Vorstellung erlauben, wie frühere Generationen mit Natur und Landschaft umgegangen sind. Sie vermitteln darüber hinaus ein Bild vom Leben und Arbeiten unserer Vorfahren. Des Weiteren prägen historische Kulturlandschaften die Eigenart und Schönheit unserer Landschaft und helfen den Menschen, ihre eigene Geschichte und die Geschichte ihrer Heimat besser zu verstehen. Auch wenn der Schutz unserer Landschaft nicht nur rational begründet werden darf, so stellt sich doch immer wieder die Frage: Was bringt uns die Erhaltung dieser Kulturlandschaft?

Kulturlandschaften sind deshalb bedeutend, damit sich Menschen in ihrer Region heimisch fühlen und sich eine regionale Identität bilden kann. In der Erhaltung von Kulturlandschaft mit ihren Sehenswürdigkeiten und Möglichkeiten zum Landschaftserleben stellt durchaus ein wichtiges Potential dar für den sanften Tourismus. Sie ist darüber hinaus auch ein „weicher Standortfaktor“ für die Ansiedlung von Gewerbe und Qualitätsmerkmal für einen attraktiven Wohnstandort.

In einer immer schneller sich verändernden Welt ist die Kulturlandschaft für Besucher und Einheimische unverwechselbar und hat einen hohen Wiedererkennungswert. In vielen Großlandschaften werden erhaltene Kulturlandschaften immer seltener und sind vielfach nur noch fragmentarisch vorhanden. Zunehmend gehen Elemente der Kulturlandschaft verloren, so dass sich in den Regionen der Prozess der Nivellierung landschaftlicher Eigenart verstärkt. Die Regionen werden zu „Allerweltsstandorten“ und sind in ihrer Ausstattung uniform und austauschbar. Durch den langen Einfluss menschlicher Tätigkeiten haben sich in der Kulturlandschaft vielfach an verschiedene Wirtschaftsformen angepasste Biotope mit einer oft spezifischen Tier- und Pflanzenwelt entwickelt. Sie könnten dabei lokale Zentren der Biodiversität darstellen.

Die Ursachen für den Verlust von Kulturlandschaften sind vielfältig: Selbst in der Umgebung von Dörfern sind Baumaßnahmen sowie Infrastrukturmaßnahmen Hauptursache für den Verlust. Zudem stellen landwirtschaftliche Intensivierung, Flurbereinigung und Nutzungsaufgaben wichtige Faktoren für den Verlust von Kulturlandschaftselementen dar. Oft ist es die mangelnde Wertschätzung der Elemente der historischen Kulturlandschaft, da häufig Kenntnis der historischen Zusammenhänge fehlt. Zur Bewahrung und Entwicklung des heimatlichen, historisch gewachsenen Lebensraums gehören sowohl der Natur- und Umweltschutz als auch die Denkmalpflege. Ziel ist es, die Kulturlandschaft mit ihrer landschaftlichen Eigenart und Schönheit und ihrer Geschichte (Heimat) zu erhalten. Der Bauer als Eigentümer der Flächen kann nicht alleine die Vielfalt, Eigenart und Schönheit unserer Kulturlandschaft bewahren. Dieses wird zu einer gesellschaftlichen Aufgabe.

Ja, ich glaube, wir gehen den richtigen Weg mit unserem kleinen „Kulturlandschafts-Programm“! Denn wenn es uns nicht gelingt, diese Kulturlandschaften mit all ihren Besonderheiten zu erhalten, nur weil sie ineffizient geworden sind, dann geht ein Stück Heimat verloren. Dann bestimmt nur noch das Geld, wie unsere Landschaft sich entwickelt. Ein schlechter Tausch! Blühende Landschaften gegen Einfältigkeit und Uniformität.

Aber der Mensch braucht diese stimmungsvollen Landschaften, wo Schafe und Ziegen um den Waldhügelsee ziehen, in den Hecken rund um die Eierwiese die Nachtigallen singen, die vielen Rosenbüsche auf den Waldhügelhöhen duften und bunt durcheinander blühen, geheimnisvoll der Uhu schon im Januar ruft und schillernde Schmetterlinge über Wiesen gaukeln. Sie sind Lebensgrundlage und streicheln unsere Seele.  

Dank: Für die gemeinsamen und schönen Exkursionen, sowie die vielen Anregungen zum Thema Waldhügel, möchte ich mich bei meinen Naturfreunden Heinz Rinsche, Sigmar Birken und Heinz Holtfrerich bedanken. Ein ganz besonderer Dank gilt auch den Vorsitzenden des Fördervereins Waldhügel, Reinhard Hundrup und Ludger Schröer und nicht zuletzt dem Schäfer Gisbert Lütke, die mir beratend zur Seite standen.

Zuletzt geändert am: 21.02.2018 um 17:44

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