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Zeit für mehr Artenvielfalt

manfred am 27.01.2021
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RHEINE

Zeit für mehr Artenvielfalt

Sensibilität in der Bürgerschaft für die Themen Klima und Umwelt wächst weiter

Heute, 19. Januar 2021 - 17:00 Uhr

von Matthias Schrief

 

Foto: Matthias Schrief

 

Wo das Aufkommen der Insekten sinkt, sinkt auch die Zahl der Vögel, die sich von Insekten ernähren.

„Der wird grün, ohne rot zu werden“, feixte in feinster bayerischer Mundart unlängst die Kabarettistin Luise Kinseher über den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder – nachdem der einen Baum umarmt hatte. Kaum jemand zweifelt wohl daran, dass Machtmensch Söder eher Mehrheiten sucht als Speerspitze im Kampf für mehr Klimaschutz sein zu wollen. Andererseits: Der Klimaschutz ist ein Thema, das die Politiker heute auf der Rechnung haben müssen, wenn sie bei Wahlen – und nach Wahlen bei der Koalitionsbildung – erfolgreich sein wollen.

380 Unterschriftenbögen

Reinhard Hundrup, Vorsitzender des Fördervereins Waldhügel, stellt zumindest fest, dass die Sensibilität für die Themen Klima und Umwelt in der Bürgerschaft weiter wächst. „Am vergangenen Donnerstag haben wir vom Förderverein knapp 380 Unterschriftenbögen an die Volksinitiative Artenvielfalt NRW nach Düsseldorf geschickt“, berichtete er. „Die haben wir an zwei Tagen Anfang Oktober auf dem Dorenkamp gesammelt. Wir waren angenehm überrascht, wie hoch die Bereitschaft der Leute war, sich für das Thema Artenvielfalt Zeit zu nehmen“, sagt Hundrup.

Lippenbekenntnisse reichen nicht, um Natur und Umwelt zu schützen und um die Artenvielfalt zu erhalten. Hundrup kann da aus Erfahrung sprechen. Seit über zwölf Jahren legt er nahezu täglich im Naturschutzgebiet Waldhügel und Umgebung Hand an – und ist dort mit offenen Augen unterwegs. „Trotz vieler Bemühungen sehe ich dann doch, dass Pflanzenarten weniger werden oder ganz verschwinden.“ Gleichzeitig stellt er fest, dass bestimmte Vogelarten seltener vorkommen. Vor Ort gibt es dazu keine wissenschaftliche Untersuchungen. Hundrup vermutet, dass Vögeln schlicht die Nahrung fehlt: „Wo das Aufkommen der Insekten sinkt, sinkt auch die Zahl der Vögel, die sich von Insekten ernähren“, sagt Hundrup.

Landesweite Kampagne

An dieser Stelle kommt die Volksinitiative Artenvielfalt NRW ins Spiel. Sie wurde durch die NRW-Landesverbände des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU) und des Naturschutzbund Deutschland (NABU) ins Leben gerufen, um eine landesweite Kampagne zum Erhalt der Artenvielfalt in NRW durchzuführen. Ziel der Initiative unter dem Motto „Insekten retten – Artenschwund stoppen“ ist es, konkrete Handlungsvorschläge zur Verbesserung der biologischen Vielfalt in den NRW-Landtag einzubringen und das Land so zu mehr Natur- und Artenschutz zu bewegen. Weitere Umwelt- und Naturschutzverbände, Vereine, Parteien sowie Organisationen haben sich der Initiative angeschlossen.

 

„Wir erleben einen dramatischen Verlust an Tier- und Pflanzenarten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative. Vor allem der Rückgang von Insekten und Vögeln führe deutlich vor Augen, „dass wir in vielen Handlungs- und Politikfeldern grundlegend umsteuern müssen. Besonders dramatisch ist hierbei, dass diese Verluste ebenfalls und ungebremst Schutzgebiete betreffen – und damit die letzten Rückzugsräume für eine große Vielzahl von Arten“.

Flächenverbrauch reduzieren

Bei den acht zentralen Forderungen der Initiative steht an erster Stelle, den Flächenfraß zu stoppen. „Täglich gehen in Nordrhein-Westfalen rund zehn Hektar Fläche durch neue Wohn- und Gewerbegebiete, Straßenbau, Tagebau, Kies-Abbau und andere Abgrabungen unwiederbringlich verloren. Landschaften werden zerschnitten, angrenzende Lebensräume gestört. Eine Fortsetzung dieses unverantwortlichen Handelns führt unweigerlich zu zusätzlichen irreversiblen Verlusten bei Tier- und Pflanzenarten“, teilt die Initiative mit. Vor diesem Hintergrund fordert die Initiative eine „neue Landesentwicklungsplanung mit Regelungen und Instrumenten, die verbindlich den Flächenverbrauch im Land bis 2025 auf maximal fünf Hektar pro Tag und bis 2035 ganz auf Null absenken“. Zudem sollten Nachverdichtung, Erschließung von Industriebrachen (Flächenrecycling), Umnutzungen und Aufstockungen von Wohn- und Gewerbegebäuden gegenüber einer Neuversiegelung deutlich attraktiver werden und Vorrang haben.

Die Initiative spricht sich auch für einen besseren Schutz der Naturschutzgebiete und der Wälder aus. Sie plädiert für eine naturverträgliche Landwirtschaft, für einen besseren Artenschutz in der Stadt oder der Sicherung der lebendigen Gewässer und Auen.

Hundrup, der auch einer von zwei Ortsverbandssprechern bei Bündnis 90/Die Grünen in Rheine ist, weist darauf hin, dass die Unterschriftensammlung „Volksinitiative Artenvielfalt NRW“ noch bis Ende März läuft. „Unterschriftenbögen können auf der Homepage runtergeladen und ausgedruckt werden“, sagt Hundrup.

Als Sammelstellen für die ausgefüllten Bögen sind die Briefkästen in der Geschäftsstelle von Bündnis90 / Die Grünen (Auf dem Thie 13) und beim Förderverein Waldhügel (Reinhard Hundrup, Darbrookstraße 115) eingerichtet.

Quelle: Münsterländische Volkszeitung, 20.01.2021, © Altmeppen Verlag GmbH & Co. KG ,
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Zuletzt geändert am: 27.01.2021 um 13:18

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