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Wiesen und Wegsäume - Hier wächst Heu für die Winterfütterung

reinhard am 21.02.2018
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Wiesen und Wegsäume - Hier wächst Heu für die Winterfütterung

Pflegemassnahmen

Foto Winfried Grenzheuser

Auf der Eierwiese rollte man früher die Ostereier

Wiesen sind keine Weiden! Sie dienten dem Bauern früher zur Heugewinnung. Ähnlich wie unsere Trockenrasen sind sie aus Waldland hervorgegangen. Ohne die regelmäßige Nutzung durch Mahd in Interwallen würde die Wiese nach und nach wieder zu Wald. Die umherstehenden Sträucher und Bäume werfen Samen, diese würden auf der Wiese keimen und zu den ersten Gehölzen heranwachsen. Nur die Mahd verhindert das Aufwachsen der Bäume. Ohne fortsetzende Pflege, also weitere und immer wiederholte Eingriffe in die natürliche Entwicklung, sind diese Wiesen nicht lebensfähig. Hier wird die Artenzusammensetzung durch den Schnitt der Sense bzw. des Mähbalkens beeinflusst. Anders als bei der Weide wirken andere Selektionsmechanismen. Es ist der Wiesenschnitt! Nur die regenerationsfreudigen Arten wie Klee oder Gräser, die den Wiesenschnitt vertragen, können hier überleben. Aber auch Pflanzen, die geduckt wachsen, ihre Grundblätter am Boden haben und nur einmal im Jahr verlängerte Blütensprosse treiben wie unsere Orchideen, kommen auf der Wiese zurecht. Dann kommt eine Gruppe von Blumen, auf die wir uns nach langer Winterpause besonders freuen, es sind die Frühlingsgeophyten. Sie haben zum Zeitpunkt der Mahd ihren Entwicklungszyklus bereits abgeschlossen, so dass sie sich gänzlich unberührt vom Schnitt entwickeln können.

Heute ist diese Wiesenwirtschaft unrentabel geworden. Es gibt andere Anbaumethoden, die erheblich mehr Biomasse produzieren. Selbst Wiesen in geschützten Landschaften werden oft mit Gülle zugedeckt, so dass sie nicht mehr atmen. Die Viehställe werden immer größer! Wo viele Tiere gemästet werden, da fällt viel Gülle an! Und mit den hohen Güllegaben auf den Wiesen verschwinden die bunten Blumen mit all ihren Insekten. Aber welcher Bauer hat noch Grünland? Selbst das „Ökoheu“ von der Eierwiese will niemand mehr haben, es bringt die Produktion z. B. in den Milchbetrieben durcheinander. Das Futter für die Leistungskühe ist heute standardisiert! So blieb dem Naturschutz oft nichts anderes übrig, als das Heu zur Deponie zu fahren. Heute schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Im Sommer kommen die Schafe auf die Weide, im Winter füttern wir die Waldhügelschafe mit den getrockneten Wiesenkräutern. Dabei gab es viel zu lernen! Denn es ist nicht so einfach, historische Kulturbiotope zu pflegen. Das nachzuempfinden, was der Bauer früher alles richtig gemacht hat, damit sich solche Artenfülle auf unseren Wiesen entwickeln konnte. Oft arbeitet man heute mit viel zu schweren Traktoren, die alles was geschützt werden soll unter ihren Rädern zerdrücken. Oder die Mähmaschinen sind so leistungsstark, dass sie wie beim Mixen alles Leben zerquirlen. Dann stellt sich die Frage: Wann und wie oft muss die „Eierwiese“ gemäht werden? Heute werden die Flächen nicht alle an einem Tag gemäht, damit die Arten von den gemähten Beständen zu den ungemähten springen können. Dabei wird ein abgestimmtes Konzept verfolgt: Die Wiese wird zwei Mal im Jahr gemäht. Bei jeder Mahd werden zwei Drittel der Wiese geschnitten, ein Drittel bleibt als Regenerationsstreifen stehen. Beim nächsten Schnitt wird umgekehrt verfahren, so dass ein Drittel der Wiese über den Winter liegen bleibt, damit sich z. B. Insekten verpuppen können.

Auf den Kalkhügeln am Waldhügel zeigen sich die Wegsäume oft besonders bunt. In früheren Zeiten musste der Bauer die Landschaft überall nutzen, wollte er überleben. Selbst die schmalsten Wegränder, so ist aus dem Münsterland bekannt, wurden z. B. von Kühen beweidet. Oft waren es Kinder, die als Hirten  regelmäßig die Säume aufsuchten, um ihre Kühe grasen zu lassen. Oder man hat das frische Gras der Wegränder gemäht, um es an die Tiere zu verfüttern. Heute krempeln die Mitglieder des Fördervereins Waldhügel die Ärmel hoch und mähen diese Saumbiotope, damit blühende Landschaften erhalten bleiben. Dabei geht es Hand in Hand mit den technischen Betrieben, die in der Woche zuvor mit schwerem Gerät bereits das Grobe erledigt haben. Um die Rosenbüsche machen sie allerdings einen großen Bogen, da muss mit feinem Werkzeug gearbeitet werden, damit kein Kahlschlag entsteht. Die Pflege des Waldhügels in dieser Form ist überhaupt nur möglich, wenn auch die Stadt mit ihren technischen Betrieben ihren Beitrag leistet. Darüber sind die Mitglieder des Fördervereins Waldhügel sich einig.

Pflegemassnahmen

Foto Reinhard Hundrup

Gemeinsam packen wir’s an! Pflege der Wegsäume, ein Beitrag für den Naturschutz. (v .l.):Ludger Schröer, Conrad Weiß, Jochen Diekmann, Paul Kock, Karl-Heinz Schulte, Andreas Greiwe, Lange Helmut, Paul Veerkamp. Bild: Reinhard Hundrup)

Zuletzt geändert am: 11.12.2018 um 15:00

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